Anatomie Mensch Online Version des populären Anatomie Atlas Erlebnis Mensch 2.0
  • Anatomie Mensch - Der menschliche Körper

    Der Körper des Menschen - Anatomie Mensch

Blut, Blutplasma und die Blutgruppen

Das Blut im menschlichen KörperBlut ist der Treibstoff des menschlichen Lebens. Das flüssige rote Gewebe versorgt über unsere Adern jede einzelne Körperzelle mit Brennstoffen aus der Nahrung, Sauerstoff, Vitaminen und mit Hormonen als chemischen Botenstoffen. Andererseits entsorgt das Blut auch Schlacken und Kohlendioxid aus den Zellen. Krankheitserreger werden abgewehrt und Wunden verschlossen. Und nicht zuletzt muss auch ständig die Körpertemperatur reguliert werden: Je nach Bedarf läßt der Organismus mehr oder weniger Blut durch die Haut fließen.

Etwa sechs Liter Blut kreisen durch den Körper eines Erwachsenen, beim Kind sind es ungefähr drei und beim Baby ein Liter. Die Farbe unseres "Lebenselixiers" entsteht durch Hämoglobin, das sich in den roten Blutkörperchen befindet. Dieses wiederum setzt sich zusammen aus dem Farbstoff Häm und der Eiweißkomponente Globin. Je nach Sauerstoffgehalt ist das Blut heller (mehr Sauerstoff) oder dunkler (weniger Sauerstoff).

Lässt man Blut für eine Weile in einem Gefäß stehen, so bilden sich deutlich sichtbar drei verschiedene Schichten:

  • Blutplasma
    Oben im Gefäß setzt sich das Blutplasma ab, das zu 93 Prozent aus Wasser besteht. Insgesamt bildet es etwas über die Hälfte (55 Prozent) des Blutes.
  • Weiße Blutkörperchen
    In der mittleren Schicht sammeln sich die weißen Blutkörperchen (Leukozyten), die nur etwa ein Prozent der Gesamtblutmenge ausmachen und Abwehrfunktion haben. Sie vernichten Eindringlinge wie Bakterien, Pilze, Viren und Parasiten, indem sie Antikörper zu deren Bekämpfung produzieren.
  • Rote Blutkörperchen
    Die untere Schicht wird von den roten Blutkörperchen, den Erythrozyten, gebildet, die einen 44-prozentigen Anteil des Blutes ausmachen. Sie transportieren den eingeatmeten Sauerstoff zu den Geweben und bringen das Kohlendioxid zurück zur Lunge (Pulmo), wo es ausgeatmet wird. Ein rotes Blutkörperchen durchfließt den Körper innerhalb von 120 Tagen etwa 300.000mal, bevor es abstirbt und ersetzt wird.

 

Blutplasma

Blutplasma ist eine wässrige Lösung aus Mineralund Nährstoffen, Eiweißen und einem kleinen Anteil Hormonen. Es dient als Transportmittel dieser Substanzen, die als Produkte des Zellstoffwechsels von den Organen an das Blut abgegeben werden oder zur Aufnahme in die Körperzellen bestimmt sind. Beim Bluteiweiß unterscheidet man zwei Hauptgruppen:

  • Albumin
    Albumin wird in der Leber gebildet und erfüllt zwei wichtige Funktionen:
    • Es nährt das Gewebe und erhält den osmotischen Druck des Blutes aufrecht. Dieser Druck sorgt dafür, dass das Blut im Gefäßsystem bleibt und nicht in die Körperzellen austritt.
    • Es bindet Wasser im Blutstrom und sorgt dafür, dass der Flüssigkeitsgrad des Blutes im Körper gleichbleibt.
  • Globulin
    Globuline transportieren Mineralstoffe und Hormone. Ein Teil von ihnen ist an der Blutgerinnung beteiligt. Besonders wichtig sind jene Globuline, die als Antikörper gegen Krankheitserreger wirken, welche in den Körper eingedrungen sind.

 

Rote Blutkörperchen

Rote BlutkörperchenRote Blutkörperchen (Erythrozyten) werden etwa bis zum zwanzigsten Lebensjahr eines Menschen vom Knochenmark (Medulla ossium) sämtlicher Knochen gebildet. Im fortgeschritteneren Alter sind es hauptsächlich die Rippen (Costae), die Knochen der Wirbelsäule und des Beckens, die die Blutzellen bilden.

Der Sauerstoff verbindet sich in den Lungenkapillaren mit Hämoglobin. Die mit Sauerstoff angereicherten Blutkörperchen gelangen mit dem Blutstrom von der Lunge (Pulmo) in das Herz (Cor) und von dort in den Körperkreislauf bis zu den einzelnen Zellen. Hier geben sie den Sauerstoff ab und nehmen mit Hilfe eines speziellen Enzyms das Kohlendioxid auf, das beim Energiestoffwechsel entsteht. Sie führen es über die Venen zurück zum Herzen und weiter in den Lungenkreislauf. Dort wird wieder Kohlendioxid abgegeben und Sauerstoff aufgenommen.

Das Knochenmark eines Menschen produziert Millionen von roten Blutkörperchen in einer Sekunde, daneben auch weiße Blutkörperchen und Blutplättchen, die offene Wunden durch Gerinnung verschließen.

  • Funktion der Roten Blutkörperchen:
    Die roten Blutkörperchen haben eine Lebensdauer von etwa vier Monaten, erneuern sich aber kontinuierlich. Dazu benötigen sie ausreichend Eisen, Vitamin B12, Folsäure und Eiweiß. Sie transportieren den eingeatmeten Sauerstoff zu den Geweben und bringen das dort entstandene Kohlendioxid zurück zur Lunge (Pulmo).

 

Weiße Blutkörperchen

Weiße BlutkörperchenWeiße Blutkörperchen stellen im Gegensatz zu den roten keine einheitliche Zellpopulation dar, sondern können in Haupt- und Untergruppen gegliedert werden, deren prozentuale Anteile an der Gesamtzahl bei einem gesunden Menschen nur innerhalb bestimmter Grenzen schwanken. Die Anzahl der Leukozyten in einem Kubikmillimeter Blut beträgt im gesunden Organismus 5.000 bis 8.000.

Weiße Blutkörperchen - die eigentlich nicht weiß, sondern farblos sind - schützen den Körper bei Angriffen von außen. Sie werden nach ihrer Form und Funktion in drei Hauptgruppen unterteilt:

  1. Granulozyten
    Granulozyten bilden bis zu 75 Prozent der weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Diese "Fresszellen" greifen in den Körper eingedrungene Fremdkörper an und machen sie unschädlich. Sichtbares Resultat ihrer Aktivität ist der Eiter, der aus zerstörten Krankheitserregern, Zellbestandteilen und Leukozyten besteht. Ein Teil der Granulozyten setzt Stoffe frei, die die Blutgerinnung hemmen und so die Entstehung von Gerinnseln in Blutgefäßen verhindern. Andernfalls würde sich ein gefährlicher Klumpen bilden, der den Blutfluss aufhielte.
  2. Lymphozyten
    Die Lymphozyten sind ebenfalls ein wichtiger Teil des Abwehrsystems. Sie bilden Antikörper, die den Menschen gegen bestimmte Krankheitserreger immunisieren. Außerdem synthetisieren die Lymphozyten chemische Substanzen, die Krankheitserreger daran hindern, den Körper zu befallen. Beim Jugendlichen entstehen die Lymphozyten im Knochenmark (Medulla ossium). Später übernehmen die Thymusdrüse (Thymus), die Milz (Lien), die Mandeln (Tonsillae) und die Lymphknoten diese Aufgabe.
  3. Monozyten
    Monozyten sind Abwehrzellen, die Krankheitserreger und Fremdstoffe in ihrem eigenen Zellkörper aufnehmen und sie dort zerstören. Sie werden ebenso wie die Granulozyten im Knochenmark gebildet.

Weiße Blutkörperchen sind zwar größer als rote, aber in geringerer Anzahl vorhanden.

Blutplättchen

BlutplättchenEin Liter Blut enthält rund 250 Millionen Blutplättchen (Thrombozyten), die kleinsten festen Bestandteile der Flüssigkeit. Sie werden im Knochenmark (Medulla ossium) gebildet und schützen den Körper vor Infektionen aus offenen Wunden, indem sie sich miteinander verkleben und so eine Kruste auf der verwundeten Stelle bilden.

Ein Plättchen ist nur ein Tausendstel Millimeter groß und damit die kleinste Körperzelle überhaupt. Bei einer offenen Wunde an irgendeiner Körperstelle stehen sofort genügend Blutplättchen zur Verfügung, um zusammen mit 13 anderen Blutgerinnungsfaktoren die defekte Gefäßwand dauerhaft zu verschließen.

Zusätzlich wird der Wirkstoff Thromboplastin aus dem verletzten Gewebe freigesetzt. Er wandelt das im Blut enthaltene Plasmaeiweiß Fibrinogen in Fibrinfäden um, die die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) an Ort und Stelle umgeben. In das so entstandene Netzwerk lagern sich weitere Blutzellen und Blutplättchen ein, bis ein fester Pfropfen entsteht.

Blutgruppen

BlutgruppenBei den Blutgruppen unterscheidet man nach den Eigenschaften der roten Blutkörperchen die vier Hauptgruppen A, B, AB und 0. Die Buchstaben stehen für Substanzen auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Diese besitzen zwei unterschiedliche Antigen-Arten, die die Verklumpung auslösen: A-Agglutinogene und BAgglutinogene. Sie können die Antigene A oder B, beide (AB) oder keines der beiden (0) besitzen. Die meisten Menschen - etwa 46 Prozent der Weltbevölkerung - besitzen die Blutgruppe 0.

Das Blutplasma enthält Antikörper (Eiweißmoleküle), die gegen Antigene fremder roter Blutkörperchen, jedoch nicht gegen die der eigenen gerichtet sind. So enthält beispielsweise Plasma von Menschen der Blutgruppe A Anti-B-Agglutinine, und umgekehrt befinden sich im Plasma vom Blut der Gruppe B Anti-A-Agglutinine. Die Blutgruppe AB enthält weder das eine noch das andere, und in der Blutgruppe 0 sind Anti-AB-Agglutinine enthalten.

Wird das Blut verschiedener Gruppen gemischt, kann es zur Verklumpung kommen und im Falle einer Bluttransfusion für den Patienten tödlich enden. Deshalb müssen die Blutgruppen vor jeder Übertragung genau geprüft werden.