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    Der Körper des Menschen - Anatomie Mensch

Die Muskulatur des Menschen

Wenn wir nicht gerade liegen, dann erfordert jede unserer Haltungen und Bewegungen die Betätigung von Muskeln. Allein die Augenmuskeln bewegen sich über hunderttausendmal am Tag. Zum Stirnrunzeln sind über vierzig Muskeln erforderlich , zum Lächeln dagegen nur siebzehn.

Lachen - Schon gewußt?

Der Spruch "Lachen ist gesund" hat volle Berechtigung: Bei einem lachenden Menschen lösen Nerven im Gehirn elektrische Impulse aus, die im ganzen Körper chemische Reaktionen hervorrufen. Die endokrinen Drüsen setzen beim Lachen Stoffe frei, die Streß, Ängste und Schmerzgefühl verringern. Eine chinesische Weisheit besagt: "Wer viel lacht und viel weint, wird sehr alt". Auch die Tränen haben eine - auf ähnliche Weise - entlastende Funktion für den Körper.

 

Immer sind die Sinnesorgane, die Nerven und das Gehirn daran beteiligt, wenn wir unsere Muskeln betätigen. Das Gehirn reagiert auf Sinneseindrücke und gibt entsprechend Anweisungen, wie wir unsere Muskeln einsetzen müssen. Ermöglicht wird dieses Zusammenspiel durch ein Nerven-Netzwerk, das vom Gehirn aus über das Rückenmark (Medulla spinalis) zu den Muskeln führt. Manche dieser Faserbündel arbeiten aber auch unwillkürlich: Die Organmuskulatur ist ununterbrochen in Aktion, ohne daß wir sie bewußt steuern können.

Insgesamt machen die 656 Muskeln, die wir haben, vierzig Prozent des Körpergewichts aus und sind damit weitaus schwerer als das Skelett mit zwölf Prozent. Man unterscheidet drei Arten von Muskeln: die willkürliche, quergestreifte Muskulatur, die unwillkürliche, glatte Muskulatur und den Herzmuskel als eine Mischform zwischen diesen beiden Arten.

Skelettmuskulatur

Die meisten Muskeln sind durch Sehnen mit Knochen verbunden und ermöglichen deren Bewegung. Sie heißen Skelettmuskeln oder quergestreifte Muskeln. Dabei handelt es sich um Faserbündel, die aus einander überlappenden Proteinfäden bestehen. Die Muskelfasern reagieren auf Signale, die sie über die Nerven vom Gehirn zugesandt bekommen. Sie ziehen sich zusammen und erzeugen dadurch Bewegung.

Die Skelettmuskulatur macht einen beträchtlichen Teil des Körpergewichts aus: beim Mann etwa 40 Prozent und bei einer Frau ungefähr 23 Prozent. Im Unterschied zur Herzmuskulatur und zur sogenannten glatten Muskulatur wird die Skelettmuskulatur als willkürlich bezeichnet, weil sie von uns bewußt gesteuert werden kann.

Die insgesamt über 600 Skelettmuskeln setzen direkt oder indirekt am Knochen an. Als entgegengesetzte Paare arbeiten sie im Dienste sämtlicher Bewegungen, die wir ausführen, bis hin zum Wimpernzucken.

Die für die Muskelkontraktionen benötigte Energie ist ein Resultat der mechanischen Reaktion von aufgenommener Nahrung und eingeatmetem Sauerstoff.

Sehnen

Ähnlich wie die Bänder bestehen auch die Sehnen aus einem relativ zugkräftigen Bindegewebe. Sehnen sind an den Skelettmuskeln befestigt und übertragen deren Kontraktionen so auf die Knochen, daß diese mitbewegt werden. Sie sind mit den Fäden einer Marionette vergleichbar.

 

 

Muskelfasern

Die Muskelkontraktionen werden ausgelöst von kleinsten Fasern, den Filamenten. Sie bestehen aus den Eiweißen Aktin und Myosin, die in Querstreifung wie Brücken übereinander angeordnet sind und den Muskel verkürzen können, indem sie sich übereinanderlegen. Zwischen diesen Bündeln aus Filamenten, die zu Muskelfasern zusammengefaßt sind, liegen Speicher, in denen Zucker und Sauerstoff in Energie umgewandelt werden.

Die Muskelfasern, aus denen der Muskel besteht, sind in ein schlauchförmiges Bindegewebe eingekleidet. Ein großer Muskel besteht aus Hunderten solcher Fasern, ein kleinerer ist aus entsprechend weniger Fasern gebildet.

Bei älteren Menschen werden die Muskelfasern nach und nach durch Bindegewebe ersetzt. Diesen Vorgang nennt man Fibrose. Er bewirkt, daß Körperkraft und Motorik im Alter nachlassen, so daß man - auch bei noch so gutem Trainig - irgendwann nicht mehr wie ein Jugendlicher rennen oder springen kann.

 

 

Glatte Muskulatur

Die glatte Muskulatur der Eingeweide arbeitet unwillkürlich, unterliegt also nicht unserer Steuerung.

Sie verursacht beispielsweise die Darmbewegungen, die bei der Verdauuung der Nahrung eine Rolle spielen. Die glatte Muskulatur besteht aus langen, spindelartigen Zellen, die locker angeordnet sind und sie dadurch beweglich machen. Diesem Zweck dienen auch kleinste Eiweißfasern, die in den Zellen eingelagert sind: Aktin- und Myosinfilamente.

 

 

Herzmuskulatur

Der Herzmuskel (Myocard) arbeitet unwillkürlich, also ohne unser bewußtes Zutun. Er zieht sich ungefähr 70mal in der Minute zusammen. Wie die willkürliche Muskulatur besteht auch dieser Muskel aus quergestreiften Muskelfaserbündeln, die hier aber kreuzweise angeordnet sind.

Durch diese Mischung von Eigenschaften beider Muskelarten besitzt das Herz seine einmalige Ausdauer und Kraft. Es arbeitet unter der Kontrolle des autonomen Nervensystems.